Reihe: Weltveränderinnen - Teil 2

Von Ella Adam

Feiere Frauen, die mit ihrer dickköpfigen, schlauen und rebellischen Art die Welt verändert haben.

Reihe: Weltveränderinnen - Teil 2

„Well-behaved women seldom make history", findet die amerikanische Historikerin und Autorin Laurel Thatcher Ulrich – und hat damit wohl völlig recht. Denn wer sich brav an Regeln, Gepflogenheiten und Verbote hält, kann sie schwer ändern. Mit unserer Reihe Weltveränderinnen wollen wir Frauen feiern, die mit ihrer dickköpfigen, schlauen und rebellischen Art die Welt verändert haben.


Ruth Bader Ginsburg

Noch im Alter von 84 Jahren trainierte Ruth Bader Ginsburg regelmäßig mit Hanteln, stellte ein neues Team ein und weigerte sich trotz schwerer Erkrankung, ihr Amt niederzulegen. Denn ihre Arbeit war zu wichtig. 1993 wurde Ginsburg vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zur Richterin auf Lebenszeit am Supreme Court der USA ernannt. Als zweite Frau und erste jüdische Person in dieser Position setzte sie sich über Jahrzehnte hinweg für Geschlechtergerechtigkeit und Bürgerrechte ein.

So stimmte sie zum Beispiel für gleiche Bezahlung, für das Recht auf Abtreibung, gegen die Todesstrafe und für die gleichgeschlechtliche Ehe. Im Zuge der ersten Präsidentschaft Donald Trumps wurde sie zu einer popkulturellen Ikone der liberalen Bewegung. Sie selbst betonte immer wieder:

"My mother told me two things constantly. One was to be a lady, and the other was to be independent".


Hannah Arendt

Was bringt gewöhnliche Menschen dazu, Böses zu tun?

Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage machte Hannah Arendt zu einer der bedeutendsten politischen Theoretikerinnen des 20. Jahrhunderts.

Geprägt vom Aufstieg des Nationalsozialismus und ihrer eigenen kurzzeitigen Inhaftierung durch die Gestapo floh die promovierte Philosophin 1933 zunächst nach Frankreich und später in die USA. Dort arbeitete sie als Hochschullehrerin und Journalistin und veröffentlichte grundlegende Werke zu Totalitarismus, Denken, Politik und Freiheit.

Als Reporterin des New Yorker berichtete Arendt über den Adolf-Eichmann-Prozess in Jerusalem. In ihrem darauf basierenden Werk Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen kam sie zu dem Schluss, dass nicht fanatischer Hass, sondern persönlicher Ehrgeiz, Gedankenlosigkeit und blinder Gehorsam Menschen dazu bringen können, Böses zu tun.


Katharina die Große

Schon mal von Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst gehört? Vermutlich nicht. Die deutsche Prinzessin zog bereits mit 15 Jahren nach Russland, heiratete den dortigen Thronfolger und nahm den Namen Großfürstin Katharina an. Ihr Ehemann bestieg später als Zar Peter III. den Thron, verlor diesen jedoch durch einen Putsch und starb wenige Tage später.

Katharina erbte den Titel und regierte Russland 34 Jahre lang. Geprägt von Montesquieu und Voltaire, etablierte die Zarin eine Verwaltung, reformierte das Bildungswesen, führte Kriege und vergrößerte das russische Territorium erheblich. Im Alter von 67 Jahren starb die Zarin, die als einzige Herrscherin der Geschichte den Beinamen „die Große" erhielt.


Zheng Yi Sao

Vergesst Captain Jack Sparrow, Klaus Störtebecker und Blackbeard: Der größte Piratenverbund der Weltgeschichte wurde von einer Frau angeführt. Nämlich von Zheng Yi Sao (auch bekannt als Zheng Shi). Als Prostituierte lernte sie einen der erfolgreichsten Piraten Chinas kennen: Zheng Yi. Sie heiratete ihn und wurde das Mastermind hinter seinem Imperium. Nur wenige Jahre nach der Hochzeit starb Zheng Yi und Zheng Yi Sao wurde seine Nachfolgerin. Gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn vergrößerte sie die Flotte im südchinesischen Meer auf schätzungsweise 1000 Schiffe und mindestens 70.000 Menschen. Sie zerstörten Schiffe des Kaiserreichs, sabotierten den Handel und bedrohten ganz Kanton. Trotz Hilfe aus Großbritannien und Portugal gelang es dem Generalgouverneur Pai Ling nicht, die Piratenflotte unter Kontrolle zu bringen. Stattdessen bot er Zheng Yi Sao und ihren Piraten an eine Amnestie an. Zheng Yi Sao wurde geadelt, gründete ein Casino und starb mit 69 Jahren als sehr wohlhabende Frau an Altersschwäche.


Hildegard von Bingen

Bekanntlich hat die katholische Kirche es nicht so mit Frauen. Aber bei Hildegard von Bingen machte sie eine Ausnahme. Am 10. Mai 2012, rund 833 Jahre nach ihrem Tod, erhob Papst Benedikt XVI. sie zur Kirchenlehrerin, als vierte Frau jemals. Die deutsche Benediktinerin war Äbtissin, Dichterin, Komponistin und eine bedeutende natur- und heilkundige Universalgelehrte. Noch heute wird sie von vielen verehrt. Für ihre Musik, die die Menschen an das Paradies erinnern soll, für die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sie zusammentragen ließ, für ihr fortschrittliches Denken, dass sie dazu bewegte, ein eigenes Kloster zu gründen und ihre Philosophie: Welt, Mensch und Natur müssen im Gleichgewicht sein, und der Mensch ist Mitarbeiter Gottes, dazu berufen, dieses zu wahren. Über 800 Jahre ist diese Weisheit alt. Und dennoch aktueller denn je.


Literatur

Für ein starkes Leben und gesunde Beziehungen

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