Feiere Frauen, die mit ihrer dickköpfigen, schlauen und rebellischen Art die Welt verändert haben.

„Well-behaved women seldom make history", findet die amerikanische Historikerin und Autorin Laurel Thatcher Ulrich – und hat damit wohl völlig recht. Denn wer sich brav an Regeln, Gepflogenheiten und Verbote hält, kann sie schwer ändern. Mit unserer Reihe Weltveränderinnen wollen wir Frauen feiern, die mit ihrer dickköpfigen, schlauen und rebellischen Art die Welt verändert haben.
Den meisten deutschen Bürgerinnen und Bürgern ist Artikel 1 des Grundgesetzes wohl bekannt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar." Aber wie sieht es mit Artikel 3 Absatz 2 aus? Hier heißt es: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Dieser Artikel garantiert die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung der Geschlechter und verbietet Diskriminierung und Bevorzugung aufgrund persönlicher Eigenschaften. Wir haben ihn Martha Elisabeth Selbert zu verdanken, die als SPD-Abgeordnete 1948/1949 als eine von vier Frauen an der Formulierung des deutschen Grundgesetzes beteiligt war. Nur gegen Widerstände konnte sie die Gleichberechtigung von Frau und Mann durchsetzen.
Montgomery, USA, 1955: Müde und erschöpft nach einem langen Arbeitstag ist Rosa Parks mit dem Bus auf dem Weg nach Hause, als ein weißer Mann ihren Sitzplatz verlangt. Gemäß den damaligen Rassengesetzen muss die Schwarze Parks ihren Platz freigeben – doch sie weigert sich. Sie wird verhaftet, zu einer Geldstrafe verurteilt und schließlich zur Ikone des Montgomery Bus Boycott, der dazu führte, dass die Rassentrennung in Bussen und Zügen aufgehoben wurde. Er gilt außerdem als Beginn weiterer Proteste der Bürgerrechtsbewegung in Amerika.
Als „vorläufig hübsch und wahrscheinlich auch begabt" wurde Hedy Lamarr vom Interessanten Blatt 1931 beschrieben. Eine stärkere Untertreibung kann man sich kaum ausdenken. Die Tochter einer jüdisch-österreichischen Familie war nicht nur Schauspielerin und Hollywoodstar, sondern auch Erfinderin. Als Gegnerin des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg entwickelte sie eine Funkfernsteuerung für Torpedos für die Alliierten. Ihre Erfindung wurde patentiert, weiterentwickelt und später zum Beispiel für Bluetooth verwendet.
Wie viele Menschen Harriet Tubman aus der Versklavung rettete, ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass es einige waren. Selbst als Sklavin in den USA geboren, gelang es Tubman zu fliehen und sich in den Norden zu retten. Dort schloss sie sich der Underground Railroad an, einer Organisation, die sich gegen die Sklaverei engagierte und 40.000 bis 100.000 Menschen half zu fliehen. Im amerikanischen Bürgerkrieg arbeitete sie als Krankenschwester und Spionin, setzte sich später für Frauenrechte ein und gründete ein Altersheim, in dem sie 1913 hochbetagt starb.
Manche halten sie für die wichtigste Entdeckung des 20. Jahrhunderts: die Doppelhelixstruktur der DNA. Und einige glauben, dass Männer sie entdeckt haben. Tatsächlich erhielten die Wissenschaftler Maurice Wilkins, Francis Crick und James Watson dafür 1962 den Nobelpreis. Was damals nicht bekannt war: Die eigentliche Entdeckerin der DNA-Struktur war Rosalind Franklin, der es bereits 1952 gelungen war, mit Hilfe von Röntgenstrahlen ein Foto von der Doppelhelix zu machen. Erst Jahre nach der Nobelpreisverleihung gab James Watson zu, dass er und seine Kollegen Rosalind Franklin gemobbt und um ihre Forschungsergebnisse gebracht hatten. Diese war bereits 1958 an Krebs gestorben, der vermutlich durch die jahrelange Röntgenstrahlung ausgelöst worden war.