Ringe, Eventlocation, Hochzeitstorte: Heiraten kann teuer sein. Hier erzählen drei Paare, wie sie ihre Traumhochzeit finanziert haben.

Sascha und ich sind ein klassisches Tinder-Pärchen der ersten Generation. Wir haben uns 2015 kennengelernt, eine Weile geschrieben, uns auf einen Kaffee getroffen und dann war die Sache eigentlich schon klar. 2021 hat Sascha mir auf der Insel Juist einen klassischen Heiratsantrag gemacht.
Geheiratet haben wir 2023. Und zwar gleich zweimal: einmal standesamtlich und einmal im Rahmen einer freien Trauung. Die standesamtliche Hochzeit fand im April 2023 auf Juist statt. Nur unsere Familien und ein befreundetes Paar waren dabei.
Im Juli darauf haben wir dann mit rund 80 Gästen groß gefeiert. Die freie Trauung wurde von Saschas Bruder und meiner Schwester abgehalten. Das war uns besonders wichtig, denn wer kennt uns besser als die beiden? Und sie haben es einfach großartig gemacht.
Wir wollten möglichst unaufgeregt und nicht so schick feiern. Deshalb haben wir uns für eine Scheune als Location entschieden. Das Catering bestand aus Antipasti, einem großen veganen und vegetarischen Buffet, sowie einer Grillstation mit Hühnchen und Rind. Zum Dessert konnte sich jeder an einem Eiswägelchen seinen eigenen Becher zusammenstellen. Danach legten zwei DJs auf und wir haben bis 2 Uhr morgens gefeiert. Das war so geplant, damit die Party nicht nach und nach zu Ende geht, sondern alle zusammen den letzten Song tanzen.
Anfangs hatten wir gedacht, dass wir nicht mehr als 10.000 Euro ausgeben wollen. Als wir uns dann nach Locations umgeschaut haben, haben wir einmal laut gelacht und die 10.000 Euro über Bord geworfen. Direkt nach dem Antrag haben wir angefangen zu sparen und so über anderthalb Jahre etwa 18.000 Euro zusammenbekommen.
Wir haben uns kein festes Budget gesetzt, aber entschieden, möglichst viel selbst zu machen sowie Freunde und Familie miteinzubeziehen.
Ich habe mein Kleid zum Beispiel bei einem Ausverkauf erstanden, Saschas Tante hat meine Haare gestylt und eine weitere Freundin hat den Kuchen gebacken. Auch die Einladungen sowie Blumen und Deko haben selbst gestaltet bzw. Mitgebracht. Ich hatte für beide Trauungen jeweils ein Kleid. Im Nachhinein würde ich das anders machen. Beide waren sehr schön, aber man trägt sie dann eben doch nur einmal.
Ansonsten würden wir alles genau so wieder machen.
Kosten
Die Trauung auf Juist hat ungefähr 7500 Euro gekostet. Nach dem Standesamt gab es einen kleinen Empfang. Für unsere Eltern, Trauzeugen und Freunde haben wir die Hotelkosten übernommen, was den größten Teil der Ausgaben ausmachte. Mein Kleid hat mit Änderung 900 Euro gekostet.
Für die freie Trauung im Juli haben wir rund 18.000 Euro ausgegeben. Der größte Posten waren Location und Catering – zusammen etwa 10.000 Euro. Für die Fotografen haben wir 2350 Euro gezahlt, für die DJs etwa 1200 Euro. Mein Kleid lag bei 2100 Euro, das hat aber meine Mutter übernommen. Der Anzug meines Partners kostete rund 900 Euro.
Für die Blumen und Dekoration haben wir etwa 800 Euro ausgegeben. Die Frisuren für meine Schwester und mich lagen zusammen bei 200 Euro. Geschminkt habe ich mich selbst.
Geschenke
Insgesamt haben wir ungefähr 15.000 Euro von unseren Gästen geschenkt bekommen. Damit konnten wir einen Teil der Hochzeit und unsere Hochzeitsreise nach Mauritius finanzieren.
Spartipp
Freunde und Familie einbeziehen und so viel wie möglich selbst machen!
Henrik und ich haben uns schon als Kinder gekannt. Erst waren wir auf der gleichen Schule, bis er gewechselt hat. Später haben wir zusammen Tanzkurs gemacht und auf dem Heimweg nach einem Ball haben wir uns fast geküsst. Aber nur fast. Bei meinem 30. Abi-Jubiläum kam Henrik zur Feier, obwohl er nicht mit uns Abi gemacht hatte. Da hat es dann gefunkt.
Ein paar Jahre später hat er mir einen Antrag gemacht. Ich hatte schon eine Familie. Ein Kind, das zu der Zeit schon fast erwachsen war, und einen Kindsvater, von dem ich schon seit langer Zeit getrennt gelebt hatte. Ich fand es schön, dass Henrik dadurch bewiesen bekommen würde, dass er neben der starken Erstfamilie auch einen festen Platz hat.
Wegen der Corona-Pandemie entschieden wir uns, erst im September 2022 zu heiraten, um eine Party ohne Masken und Mindestabstand feiern zu können.
Wir sind häufig an Wochenenden unterwegs und haben auf unseren Ausflügen nach passenden Locations gesucht. Uns waren drei Kriterien wichtig: Der Ort sollte am Wasser sein und Übernachtungsmöglichkeiten für alle Gäste bieten. Außerdem wollten wir die Location für uns allein haben und nicht mit Fremden teilen müssen.
Es wurde dann eine Berghütte mit nahegelegenem Gästehaus. Kein Gewässer, dafür aber ein toller Ausblick. Den hatte man dann gar nicht, weil es schneite. Im September! Hat der Stimmung aber nicht geschadet.
Wir haben im Standesamt Fischbachau geheiratet. Danach gab es einen Sektempfang und später Kuchen auf der Hütte. Eine sehr gute Freundin und ein alter Freund von mir, der früher in einem Orden gelebt hatte, haben uns dort frei getraut. Die beiden haben sich wochenlang darauf vorbereitet, mehrere Gespräche mit uns geführt und geholfen, unsere Eheversprechen zu schreiben. Dadurch wurden die besonders persönlich und tief. Danach hat meine Nichte gesungen und allen sind die Tränen gekommen. Das war für mich der Kern des Wochenendes.
Abends gab es ein Drei-Gänge-Menü. Meine Tochter hatte ein Hochzeits-Bingo vorbereitet, das die ganze Gesellschaft aufgemischt hat, sodass sich alle schnell kennengelernt haben. Später hat eine Bluegrass-Band Live-Musik gespielt, und manche haben bis tief in die Nacht getanzt.
Weil wir auf einer Hütte waren, herrschte Bettenlager-Romantik. Es gab zwar wenige Doppelzimmer, aber die meisten Gäste waren in Sechser- oder Achter-Zimmern untergebracht. Das war für alle okay. Henrik und ich hätten eigentlich ein Doppelzimmer gehabt. Aber der Freund einer Freundin von mir war für sie aus dem Kloster ausgetreten und das war für ihn das erste Wochenende im neuen Leben. Deswegen haben wir ihnen gerne unser Zimmer überlassen.
Am nächsten Tag war eigentlich noch eine Wanderung geplant, die ist aber buchstäblich ins Wasser gefallen. Stattdessen gab es ein ausgiebiges Frühstück.
Kosten
Die Location inklusive Verpflegung für 56 Gäste hat ca. 7000 Euro gekostet. Das haben aber größtenteils meine Schwiegereltern übernommen. Die Übernachtungen haben unsere Gäste selbst gezahlt. Die Gage für die Band lag bei ungefähr 1500 Euro. Meine Mutter hat sich um den Blumenschmuck gekümmert. Wir haben uns für schlichte, weiße Wiesenblumen in geraden Gläsern entschieden. Dafür hat sie 250 Euro ausgegeben.
Henrik hat sich einen neuen Anzug und passende Schuhe gekauft, das Outfit hat insgesamt 780 Euro gekostet. Mein Kleid habe ich über Ebay von einer sehr sympathischen Frau aus Leipzig für 550 Euro gekauft. Zusätzlich hatte ich zwei verschiedene Strickjacken, ein Täschchen, und zwei Paar Schuhe. Das hat insgesamt nochmal 450 Euro gekostet. Für mein Make-Up habe ich einer Maskenbildnerin 200 Euro gezahlt. Unsere Ringe haben wir für 780 Euro gekauft. Die sind schlicht und haben keine Gravur.
Zusätzlich zu den Zimmern in der Hütte, hatte ich noch ein paar Zimmer in einem Sporthotel gebucht, die wir dann gar nicht gebraucht haben. Das waren nochmal 350 Euro. Für das Standesamt und den Sektempfang haben wir ungefähr 350 Euro ausgegeben. Die Einladungskarten hat meine Tochter entworfen, die Druckkosten lagen bei 70 Euro.
Statt eines professionellen Fotografen habe ich einen Freund gebeten, ein paar Fotos zu machen. Als Überraschung hat er sogar einen 45-minütigen Film gedreht. Der ist wirklich toll geworden.
Was wir anders machen würden
Meine Schwiegermutter hatte vorgeschlagen, auf den Einladungen einen Dresscode anzugeben. Das würde ich nicht mehr machen. Alle sollten so zur Hochzeit kommen dürfen, wie sie das wollen. Und wenn das im Trainingsanzug ist, ist das auch okay.
Spartipp
Es ist natürlich ein Privileg, Menschen um sich herum zu haben, die Filme machen können, den Blumenschmuck übernehmen, oder sogar eine Trauung abhalten können. Wenn man diese Menschen aber nicht hat, hilft es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Das Eheversprechen. Ich glaube, für die gute Stimmung ist es nicht so wichtig, dass die einzelnen Komponenten teuer sind.
Paul und ich haben uns auf Tinder kennengelernt. Wir haben uns schon oft gefragt, warum wir uns nicht früher getroffen haben. Wir haben nämlich annähernd zeitgleich Sozialwissenschaften an der Uni Hamburg studiert. Außerdem sind sein Sohn und meine Tochter befreundet und 13 Jahre lang gemeinsam zur Schule gegangen.
Wir leben weiterhin getrennt, aber wollten 2025 trotzdem heiraten. Einfach aus Romantik.
Wir haben keine große Hochzeit angestrebt. Uns ging es vor allem darum, unsere Liebe zu feiern und dass unsere Familien sich kennenlernen. Mit Eltern, Geschwistern, deren Kindern und den engsten Freundinnen und Freunden kamen wir auf rund 30 Gäste.
Wir haben an einem Wochenende im September 2025 geheiratet. Am Donnerstagabend habe ich alle Frauen zu mir nach Hause eingeladen und Paul alle Männer zu sich. So konnten sich alle entspannt bei Essen und Wein kennenlernen. Genauso, wie ich es mir gewünscht hatte.
Am Freitag fand die standesamtliche Trauung statt, danach ein Sektempfang. Paul und ich tanzen Swing, und das sollte unbedingt ein Teil der Feier sein. Deshalb gab es am Nachmittag einen Swing-Kurs, angeleitet von unseren Tanztrainern. Alle haben mitgemacht! Selbst der 70-jährige Freund meiner Mutter ließ sich von ihr führen. Abends spielte eine Swing-Band, so dass alle ihre neuen Tanzkünste ausprobieren konnten.
Gefeiert haben wir in einem Lokal, das von einer jungen Truppe geführt wird. Ein großer Raum mit Bar und kleiner Terrasse. Nichts Überkandideltes, das hätte nicht zu uns gepasst. Als Vorspeise gab es verschiedene orientalische Salate und Pasten. Beim Hauptgang konnte man zwischen vegetarisch, Fisch oder Fleisch wählen, danach wurden Nachtischplatten zum Teilen serviert. Alles war sehr lecker.
Nach der Swing-Band legte noch ein DJ auf. Er war erst 19 Jahre alt, aber hat das großartig gemacht.
Für uns beide war es die zweite Hochzeit. Ich hatte nicht den Anspruch, dass das der schönste Tag meines Lebens werden soll. Aber zwischendurch dachte ich: „Ich glaube, das ist er gerade wirklich."
Ausgaben
Wir hatten kein festes Budget, weil uns klar war, dass wir keine große Hochzeit wollten. Die standesamtliche Zeremonie inklusive Sektempfang und Brautstrauß kostete etwa 1.000 Euro. Freundinnen meiner Töchter haben dort gekellnert und natürlich auch etwas verdient.
Das Restaurant verlangt für geschlossene Gesellschaften eine Mindestabnahme von 2.500 Euro. Am Ende lagen wir für Essen, Getränke und Service bei rund 3.000 Euro. Das finde ich für 30 Leute wirklich in Ordnung. Die Swing Band kostete etwa 1.200 Euro, der DJ rund 850 Euro.
Für Kleid und Schuhe habe ich etwa 400 Euro ausgegeben. Paul wollte mir nicht verraten, was sein Anzug gekostet hat, nur soviel: er hat ganz oben ins Regal gegriffen, er wollte richtig schick sein. Unsere Eheringe haben 1800 Euro gekostet. Fotografiert hat mein Schwager.
Ein größerer Posten war der Ehevertrag. Wir waren dafür bei einer Anwältin und haben ihn dann notariell aufsetzen lassen. Das hat 3000 Euro gekostet. Der Vertrag war uns wichtig, weil wir mitten im Leben stehen und Kinder haben, die nicht die gemeinsamen sind. Wir wollten daher Gütertrennung und Erbfolge sauber geregelt haben. Am Ende waren es zwei Seiten. Schlicht, aber entscheidend.
Geschenke
Paul und ich haben jeweils einen vollständigen Haushalt und konnten uns die Hochzeit und auch unsere Hochzeitsreise nach Österreich und Italien gut leisten. Deswegen haben wir uns statt Geschenken, Spenden an die Antonio-Amadeu-Stiftung für Demokratiestärkung gewünscht. Was gibt es gerade Wichtigeres?
Was wir anders machen würden
Die Torte sah besser aus, als sie geschmeckt hat. Buttercremetorte ist einfach sehr butterig.
Tipps
Plant so, dass ihr das Gefühl habt, ihr könnt eure eigene Hochzeit genießen. Man muss sich nicht an die Erwartungen anderer halten.