Auch wenn wir uns wünschen, dass es Zufall oder Schicksal ist – die Wissenschaft kann gut erklären, welche Faktoren die Partnerwahl tatsächlich bestimmen.

Die Wissenschaft kann inzwischen gut erklären, welche Faktoren die Partnerwahl tatsächlich bestimmen: Im Durchschnitt haben viele Paare Übereinstimmungen in Körpergröße, Intelligenz und Attraktivität, und verheiratete Paare sind sich genetisch ähnlicher als zwei zufällig ausgewählte Personen. Also scheint es doch ziemlich vorbestimmt zu sein, in wen wir uns verlieben:
Genetische Kompatibilität:
Hormonelle Passung: Laut Helen Fisher ziehen sich bestimmte „Hormon-Typen” an. Menschen mit hohem Dopamin-Spiegel (Abenteurer) suchen oft Gleichgesinnte, während Menschen mit hohem Oxytocin/Östrogen-Level (Bindungstypen) oft von testosteron-gesteuerten, analytischen Typen angezogen werden.
Der Duft-Check: Eine Pionierstudie des Schweizer Biologen Wedekind zeigte, dass wir Partner unbewusst nach ihrem Körpergeruch wählen, um die bestmögliche Immunabwehr für potenzielle Nachkommen zu garantieren. Das berühmte „T-Shirt-Experiment” belegte, dass Frauen instinktiv den Duft von Männern bevorzugen, deren Immunsystem-Gene sich stark von ihren eigenen unterscheiden. Diese biologische Selektion dient als natürlicher Schutz vor Inzucht und stärkt die genetische Vielfalt. Spannenderweise kann die Einnahme der Anti-Baby-Pille diesen Mechanismus verzerren, da sie das Empfinden für genetisch passende Düfte hormonell verändert.
Das Bindungs-Schema:
Imago-Theorie: Wir wählen Partner aus, die die Eigenschaften unserer frühen Bezugspersonen (meist die Eltern) widerspiegeln. Denn unser Unterbewusstsein sucht nach Vertrautheit. Wir verlieben uns also oft in jemanden, der uns “bekannte” Herausforderungen liefert und wir wollen damit die emotionalen Wunden der Kindheit heilen.
Gleich und gleich gesellt sich gern (Homogamie Theorie): Je ähnlicher sich zwei Menschen in ihren Grundwerten, ihrer Herkunft, ihrem IQ und ihrer Persönlichkeit sind, desto stabiler ist die Beziehung. Paare, die ähnlich extrovertiert oder gewissenhaft sind, streiten weniger über ihren Lebensstil. Ein psychologisches Gleichgewicht entsteht dort, wo die Partner auf einer Skala von “Attraktivität” und “sozialem Status” in etwa der gleichen Liga spielen.
Die Bindungstheorie (Bindungstypen): Die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth ist sozusagen der Goldstandard der modernen Psychologie. Ihr wissenschaftlicher Kern: Die Art, wie unsere Eltern auf unsere Bedürfnisse reagieren, verändert die Vernetzung in unserem Gehirn (limbisches System). Diese Bahnen werden im Erwachsenenalter reaktiviert, wenn wir eine Bindung zu einem Partner eingehen. So verlieben wir uns oft in jemanden, der unseren eigenen Bindungstyp ergänzt. Die Bindungstypen sind sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ängstlich und desorganisiert. Gut harmonieren sicher und sicher, häufig ist auch die Verbindung unsicher-vermeidend und unsicher-ängstlich. Sie ist jedoch emotional intensiv und nicht sehr stabil, da der ängstliche Typ Nähe sucht, wodurch der Vermeider Panik bekommt und sich zurückzieht, was den Ängstlichen noch mehr klammern lässt.
Die Theorie der Sexuellen Strategien:
Elterliche Investition: Da Frauen eine höhere biologische Investition (Schwangerschaft) leisten, wählen sie selektiver nach Merkmalen bei anderen Partner, die auf Schutz und Ressourcen hindeuten wie z.B. Status, Ambition, soziale Dominanz
Reproduktiver Wert: Männer achten dabei evolutionär stärker auf physische Marker für Jugend und Gesundheit (z.B. Symmetrie, Taillen-Hüft-Verhältnis).
Indikator-Modelle: Beide Geschlechter achten auf Merkmale wie Symmetrie oder Hautqualität, weil sie als Signale für ein starkes Immunsystem und genetische Fitness gelten.
Fazit: Biochemische Prozesse können alles stoppen, wenn der “Duft-Check” oder die grundlegende optische Passung negativ ausfallen, und selbst wenn beides passt, entscheidet dann das Unterbewusstsein darüber, ob aus einfachem Interesse echtes Verlieben wird. Ob aus dem Verlieben dann Liebe wird – dafür können wir allerdings dann bewusster sorgen…
Literatur: